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Pareto-Effizienz und Pareto-Verbesserung einfach erklärt

Inhaltsverzeichnis

Das Pareto-Kriterium ist ein zentrales Werkzeug der Volkswirtschaftslehre.
Das Pareto-Kriterium ist ein zentrales Werkzeug der Volkswirtschaftslehre.
Pareto-Effizienz ist ein zentraler Begriff aus der Volkswirtschaftslehre, der eine optimale Allokation (Verteilung beschränkter Ressourcen auf Verbraucher) beschreibt. In einem pareto-optimalen Gleichgewicht kann durch eine Änderung der Verteilung kein Verbraucher besser gestellt werden, ohne dass dabei mindestens ein anderer Verbraucher schlechter gestellt wird. In der Praxis gibt es zahlreiche Beispiele, in denen Pareto-Effizienz vorliegt beziehungsweise angestrebt wird.

Was Sie benötigen

  • Grundverständnis Mikroökonomie

Von der Summe individueller Nutzen zum Pareto-Kriterium

Bis vor einigen Jahrzehnten war das Kriterium der "Summe der individuellen Nutzen" das vorherrschende utilitaristische Kriterium. Allerdings wurde dieses durch das Pareto-Kriterium weitgehend abgelöst.

  • Führen Sie sich einfach einmal folgendes Beispiel vor Augen und denken Sie darüber nach: Ein großes Unternehmen ist direkt neben einem Wohngebiet ansässig. Bislang fahren die anliefernden Lkw sehr umständlich über eine Umgehungsstraße, wodurch Zeit verloren geht. Durch den Bau einer neuen Straße, die das Wohngebiet tangiert, könnte das Unternehmen jährlich seinen Gewinn um mehrere Millionen Euro steigern. Die Anwohner finden dies natürlich weniger gut, da ihnen durch die zusätzliche Lärmbelastung ein Teil ihrer Lebensqualität abhanden kommt.
  • Um die beiden Situationen vergleichen zu können, müssten die Nutzenzuwächse aller Individuen durch den Bau der neuen Straße aufaddiert werden. Dabei wird der Nutzenzuwachs des Unternehmens sehr hoch sein, während die Anwohner sogar überwiegend einen negativen Nutzenzuwachs haben. Würde sich aus dieser Aufaddierung der Nutzenzuwächse eine positive Zahl ergeben, so würde der Bau einer neuen Straße in Erwägung gezogen werden.
  • Doch wäre der Bau einer Straße "fair"? Immerhin profitiert fast ausschließlich das Unternehmen von der neu gebauten Straße. Das Unternehmen könnte natürlich versuchen, die Anwohner umzustimmen, indem es diesen jährlich Entschädigungszahlungen leistet.
  • Mit dem Pareto-Kriterium wären beide Situationen nicht vergleichbar, da durch den Bau der Straße zwar das Unternehmen besser gestellt wird, die Anwohner jedoch schlechtergestellt werden.

Beispiel zum Pareto-Kriterium

  • Ein Pareto-Optimum liegt vor, wenn es zu einer bestimmten Allokation keine Pareto-Verbesserung gibt, also durch eine Änderung kein Individuum besser gestellt werden kann, während alle anderen Individuen mindestens gleichgut gestellt bleiben.
  • Im Pareto-Optimum sind die Grenzraten der Substitution gerade gleich, das heißt, jedes Individuum konsumiert damit gerade die Güter, die seinen Nutzen maximieren. Außerdem ist die Grenzproduktion (der eingesetzten Faktoren) gleich.
  • Als einfaches Beispiel zum Pareto-Kriterium schauen Sie sich folgende Situation an: Zwischen zwei Wohngebieten soll ein neues Einkaufszentrum gebaut werden. Es gibt nur drei Möglichkeiten für den Standort. An Standort 1 ist das neue Einkaufszentrum 1,5 Kilometer von Wohngebiet 1 und 1,2 Kilometer von Wohngebiet 2 entfernt. An Standort 2 ist das Einkaufszentrum 1 Kilometer von Wohngebiet 1 und 1,5 Kilometer von Wohngebiet 2 entfernt und an Standort 3 ist das Einkaufszentrum 1,5 Kilometer von Wohngebiet 1 entfernt und 1 Kilometer von Wohngebiet 2 entfernt. Wo soll das Einkaufszentrum gebaut werden?
  • Standort 1 ist nicht pareto-effizient, denn durch die Wahl von Standort 3 können die Bewohner von Wohngebiet 2 besser gestellt werden (200 Meter näher), während die Bewohner von Wohngebiet 1 indifferent (gleiche Wegstrecke) sind. Der Wechsel von Standort 1 auf Standort 3 stellt also eine Pareto-Optimierung dar.
  • Standort 2 ist pareto-effizient, denn es lässt sich keine weitere Pareto-Verbesserung finden. Ebenso ist Standort 3 pareto-effizient. Standort 2 und Standort 3 lassen sich mit dem Pareto-Kriterium nicht vergleichen, denn durch den Wechsel von Standort 2 auf 3 werden zwar die Bewohner von Wohngebiet 2 besser gestellt, dafür werden die Bewohner von Wohngebiet 1 aber schlechtergestellt. Es gibt also zwei pareto-effiziente Lösungen.

Ineffizienz im Monopol

  • Angenommen, auf einem Wohnungsmarkt gibt es sehr viele Anbieter (Vermieter) und und sehr viele Nachfrager (Mieter). Dann haben die Nachfrager unterschiedlich hohe Zahlungsbereitschaften für bestimmte Mietobjekte, die Anbieter wiederum haben ebenfalls unterschiedlich hohe Vorstellungen hinsichtlich der Miete. Es wird sich im Marktgleichgewicht ein bestimmter Preis (der Gleichgewichtspreis) einpendeln, mit dem Mieter und Vermieter zufrieden sind. Die Allokation ist pareto-effizient.
  • Was ändert sich jedoch, wenn es nicht zahlreiche Vermieter gibt, sondern eine Immobiliengesellschaft sämtliche Wohnungen eines Stadtteils aufgekauft hat? Die Immobiliengesellschaft hat nun eine Monopolstellung inne und kann dadurch den Preis selbst beeinflussen.
  • Die Gesellschaft wird nun versuchen, das Gewinnmaximum anzustreben, welches bei einem höheren Preis als dem Gleichgewichtspreis liegt. In der Folge werden dadurch natürlich weniger Wohnungen vermietet, denn die Mieter, deren Zahlungsbereitschaft im Gleichgewicht gerade noch ausgereicht hat, werden nicht bereit sein, den höheren Preis zu zahlen. Es stehen also einige Wohnungen leer.
  • Diese Situation ist nicht pareto-effizient, denn Sie können leicht eine Pareto-Verbesserung finden. Die Immobiliengesellschaft könnte beispielsweise eine weitere Wohnung an einen potenziellen Mieter mit einer Zahlungsbereitschaft zwischen dem Monopolpreis und dem Gleichgewichtspreis vergeben und beide Parteien wären besser gestellt.

Sie sehen, Monopole sind für die Gesellschaft sehr schlecht. Daher wird generell vermieden (beispielsweise durch das Kartellamt), dass sich Monopolstellungen bilden. Natürlich ist dies nicht immer möglich und sinnvoll, denn ein Unternehmen, das ein spezielles Verfahren entwickelt hat und dies weltweit als einziges Unternehmen beherrscht und für die Wirtschaft außerordentlich wichtig ist, sollte natürlich nicht aufgrund seiner Monopolstellung geschlossen werden!

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