Alle Kategorien
Suche

Henna-Abend - Erklärung des Brauchs

Inhaltsverzeichnis

Der Henna-Abend entstand aus verschiedenen Bräuchen
Der Henna-Abend entstand aus verschiedenen Bräuchen
Sie sind auf einen Henna-Abend eingeladen aber wissen nicht was Sie dort erwartet? Das geht vielen so. Sie können sich auf einen bunten und fröhlichen Abend einstellen, der auf die Hochzeit einstimmt. Das Bemalen mit Henna soll dem Brautpaar Glück und Wohlstand bringen. Lassen Sie sich darauf ein und genießen Sie das Ritual des Kina gecesi.

Der Henna-Abend als Jungesellenabschied

Der Henna-Abend, oder Henna-Nacht, ist ein emotionales Fest, bei dem die muslimische Braut vom Singledasein am Abend vor der Hochzeit verabschiedet wird. Er ist eine Mischung aus vielen verschiedenen Bräuchen des Altertums, weshalb es kein eindeutiges Entstehungsdatum gibt. Das Fest wird von der Brautfamilie organisiert. Der türkische Name dafür z.B. ist Kina gecesi.

  • Sie können sich den Abend als muslimischen Junggesellinnenabschied vorstellen. An dem Abend trifft sich die Braut mit Familie und Freundinnen, um den neuen Lebensabschnitt einzuläuten.
  • Dazu gehört es zu feiern und gemeinsam ein gutes Essen zu genießen. Meistens werden Vorspeisen und Snacks serviert. Außerdem wird viel getanzt.

Entstehung und Bräuche des Abends

Viele denken, dass der Henna-Abend religiösen Ursprungs wäre - das stimmt nicht ganz. Hauptgrundlage ist der Aberglaube, der teils auch religiöse Wurzeln hat. Es wird stark auf Symbolik gesetzt (bestes Beispiel ist die Farbe Rot). Das Henna wird wegen der nachgesagten heilenden Wirkung benutzt. Der Brauch stammt aus dem Altertum und ist eine Ansammlung von mehreren Traditionen. Sie wurden im Laufe der Zeit am Henna-Abend zusammengeführt. Es ist also schwer, einen genauen Ursprung zu bestimmen.

  • Besondere Bedeutung kommt bei den Festlichkeiten der Farbe Rot zu. Sie symbolisiert Liebe, Freude, Wohlstand und viele Kinder. Deshalb trägt die Braut während sie bemalt wird ein rotes Gewand mit einem roten Schleier. Klassischerweise ist es ein Bindalli. Heutzutage wird dieses Gewand während der Hochzeit getragen. Während der Henna-Bemalung trägt sie ein rotes Abendkleid. Oft zieht sich die Braut im Laufe des Abends um und trägt am früheren Abend ein anderes Kleid, welches eine andere Farbe haben kann.
  • Dem Henna wird nachgesagt, dass die Pflanze im Paradies wächst und der gute Charakter der Pflanze dem Ehepaar Glück und Segen bringt. Nach dem Trocknen der Paste treten rote Verfärbungen auf - welche ebenso wie das Kleid -  Liebe und Wohlstand fördern sollen.
  • Henna wird seit langer Zeit als Heilpflanze benutzt. Bereits die Ägypter wussten die kühlende und heilende Funktion zu schätzen. So ist es beispielsweise Antiseptisch, was bei vielen Leiden hilfreich ist.
  • Wenn die Braut nach dem Bemalen den Schleier abgenommen hat, ist es Brauch zu versuchen, ihr den Schleier wieder abzunehmen. Das ähnelt dem Brauch, den Brautstrauß zu fangen: Wer den Schleier bekommt, wird als nächstes heiraten.

Ablauf des muslimischen Abends

  • Der wichtigste Brauch besteht darin die Hände der Braut mit Hennafarbe zu bemalen. Das geschieht wenn gegessen und getanzt wurde. Die Braut wird mit Schleier und Accessoires von Freundinnen und Familie geschmückt. Sie wird dann zu dem Platz geführt an dem das Ritual stattfinden soll. Die begleitenden Freundinnen tragen Kerzen und singen traurige Lieder. An diesem Teil des Abends wird deutlich, dass die Braut sich von der Familie trennt und dem Mann übergeben wird. Die Familie verabschiedet sich symbolisch und gibt sie frei. Es ist ein ergreifender Moment.
  • Vorne schreitet ihre Schwester oder eine andere familienangehörige Frau. Sie trägt das zubereitete Henna auf einem Tablett. Daneben steht auf jeder Seite eine brennende Kerze, die für zwei Kinder eines jeden Geschlechts stehen, die der Braut gewünscht werden.
  • Die Braut hakt sich bei einer verheirateten Freundin oder Verwandten und einer unverheirateten Freundin oder Verwandten ein. Von der einen soll Sie das Glück erhalten und der anderen soll sie von ihrem Glück abgeben, damit auch sie den richtigen Mann findet.
  • In der Mitte des Raumes ist ein roter, mit Kissen ausgestatteter Platz, an dem die Bemalung stattfindet. Bevor die Braut sich setzen darf, laufen alle, die am Einzug teilgenommen haben, drei Mal um sie herum. Bei jeder Runde versuchen sie die Braut zum Sitzen zu bringen, aber erst beim dritten Mal gelingt es. Einige Male wird das Tablett über ihren Kopf geschwenkt. Die verheiratete Frau versucht die Faust der Braut zu öffnen. Doch sie lässt es nicht zu  - erst wenn die Frau Ihr eine Goldmünze schenkt öffnet sie die Faust. Das soll für Wohlstand sorgen.
  • Eine glücklich verheiratete Frau bemalt die Braut mit Mustern. Die Farbe hält bis zu zwei Wochen. Sie darf nur von einer glücklich verheirateten Frau angerührt werden, damit sich ihr Glück auf das Paar übertragen kann.
  • Wenn die Bemalung fertig ist, wird die Braut aufgefordert zu tanzen. Alle versuchen sie wieder in eine ausgelassene Stimmung zu bringen.

Das richtige Verhalten als Gast

Da alle Freunde der Braut gern gesehen sind, kann es passieren, dass auch Nicht-Muslime teilnehmen dürfen. Das führt zu Unsicherheiten. Aber die Stimmung reißt mit.

  • Tragen Sie Abendkleider in fröhlichen Farben mit tanzbaren Schuhen.
  • Das richtige Hochzeitsgeschenk wird erst nach der Hochzeit überreicht. Stattdessen können Sie ein kleines Gastgeschenk mitbringen. Ein wenig Geld oder ein Blumenstrauß sind geeignet.
  • Es kann sein, dass Sie aufgefordert werden am Einzug der Braut teilzunehmen. Nehmen Sie sich eine Kerzen und gliedern Sie sich ein. Wenn die Braut sich das letzte Mal setzt, dürfen Sie sich in ihre Nähe setzen und ihr beim Bemalen zuschauen.
  • Wenn die Braut bemalt wird, dürfen sich auch die Gäste bemalen, um etwas von dem Glück zu erhalten. Das ist auch für Nichtmuslime ein schönes gesellschaftliches Event, bei dem man viel Zusammenhalt mit den Anwesenden fühlt. Machen Sie einfach mit. Wenn Sie sich nicht bemalen möchten (was zu empfehlen ist), können Sie sich etwas von der Hennafarbe mitnehmen.
  • Danach wird wieder für fröhliche Stimmung gesorgt: Tanzen Sie und versuchen Sie die Braut zum Lachen zu bringen. Wenn Sie unverheiratet sind, dürfen Sie sich an der Schleierjagd beteiligen.
  • Lassen Sie den Abend auf sich zukommen und fügen Sie sich den Bräuchen. Machen Sie sich keine Sorgen: Es wird ihnen niemand übel nehmen, wenn Sie zwischendurch unsicher wirken.

Beachten Sie, dass es je nach Ursprungsregion der Familie Abweichungen geben kann. Der Brauch wird inzwischen weniger strikt durchgeführt. Einige entscheiden sich dazu die Feier bereits Wochen vor der Hochzeit zu feiern oder lassen Männer zu. So oder so handelt es sich um einen bunten und emotionalen Abend, der Tränen vor Trauer, Glück und viel Gelächter zulässt. Wenn Sie eingeladen werden, ist es deshalb schwer eine Handlungsanweisung zu geben und sich darauf vorzubereiten. Am besten lassen Sie es auf sich zukommen und passen sich der Gesellschaft an. Die mitreißende Stimmung macht das einfach.

Teilen: